Der Beginn des 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch die Anwesenheit der verschiedenen negativen Faktoren, die deutliche Spuren im Leben der Bewohner Málagas hinterließen: die Folgen des Kriegs gegen Großbritannien, die sehr negativ für den Handel waren, eine tödliche Gelbfieber-Epidemie in den Jahren 1803-1804, und als katastrophaler Abschluss der Unabhängigkeitskrieg.
Inmitten dieser widrigen Umstände entstand das erste spanische Verfassungssystem.
Im Jahre 1808, um den 2. Mai herum, erhebt sich Málaga gegen die französischen Invasoren, wobei der erbittertste Widerstand von der Guerrilla ausging. Die Serranía de Ronda, die Montes Orientales und El Torcal waren die wichtigsten Schauplätze ihrer Aktivitäten. Die Lage, in der sich Málaga zum Ende der französischen Besetzung befand, war ausgesprochen katastrophal. So mussten in dieser liberalen Etappe Pläne für den Wiederaufbau und die Wahl einer neuen verfassungsmäßigen Stadtregierung und von Abgeordneten für die cortes (Landstände) in Gang gesetzt werden.
DER UNTERGANG DES ALTEN REGIMES (1814-1833)
Die Herrschaftszeit von Ferdinand VII. (1814-1833) war eine Zeit der wirtschaftlichen Stagnation und großen politischen Instabilität. Zu den Folgen des Krieges gegen die Franzosen kamen die Auswirkungen der Unabhängigkeit Hispanoamerikas hinzu. Die politischen Kämpfe zwischen Liberalen und Absolutisten kosteten viel Energie, die für den Wiederaufbau des Landes fehlte.
Schon in den letzten Lebensjahren des Herrschers wurde Málaga zum Schauplatz einer der grausamsten Episoden der absolutistischen Repression: die Erschießung von General Torrijos und seiner Kameraden. Ferdinand VII. brachte nicht den Frieden und die Eintracht, die man sich erhoffte. Getreu den Anfängen des Absolutismus', in denen er erzogen worden war, verfolgte er die afrancesados (Anhänger der französischen Revolution) und Liberalen, ohne deren Beitrag für die patriotische Sache zu berücksichtigen.
Während der absolutistischen Etappe von 1814-1820 gab es mehrere Versuche, ein liberales Regime einzurichten, was aber erst 1820 gelang. In den drei liberalen Jahren kamen die patriotischen Gesellschaften auf, eine Art von Clubs mit politischem Charakter, die in der Folge des Putsches von General Riego entstanden waren, nach dem Vorbild der berühmten Clubs der Französischen Revolution.
In der so genannten década ominosa ("ominöses Jahrzehnt", 1823-1833) kam es mit Hilfe eines ausländischen Heeres unter dem Befehl des Herzogs von Angoulème zur Wiederherstellung des Absolutismus', und es brach eine Welle der Unterdrückung und Rache über die Liberalen hinein. Immerhin bewirkte der Aufstand und die spätere Erschießung von Torrijos im Jahre 1831, dass es nach dem Tod des Monarchen zu einer größeren Sensibilisierung für die Einrichtung einer verfassungsmäßigen Ordnung kam.
Das zweite Drittel des 19. Jahrhunderts war für Málaga eine brillante und wohlhabende Epoche von großer wirtschaftlicher Dynamik, dank des Wiederaufschwungs seiner traditionellen Handelsaktivitäten und einer industriellen Entfaltung, die es zu einem der wichtigsten Standorte Spaniens machte, was die industriellen Aktivitäten betrifft. Die Provinzhauptstadt und einige Orte der Provinz machten erhebliche Verwandlungen und Modernisierungen durch. Zahlreiche Reisende, die während dieser Jahre in die Region kamen, bezeugten diese Veränderungen und glaubten, dass der wirtschaftliche Fortschritt im Süden der Halbinsel nun Wurzeln geschlagen habe.
Ab 1834 treten die Eisenhütten von Manuel Agustín Heredia, La Constancia, in eine Phase großer Aktivität ein, die sie in kurzer Zeit an die Spitze der nationalen Eisenproduktion bringen.
Die Handelsaktivitäten erfuhren ebenfalls ein bedeutendes Wachstum. Der Textilsektor durchlebte eine außergewöhnliche Entwicklung dank der Familie Larios. Weitere ausländische Namen sind in Málaga zu erwähnen: Loring, Huelin, Crooke, Sáenz, Gross u.a..
Im Transport- und Verkehrswesen entwickelte sich vor allem die Eisenbahn, mit Linien wie Málaga-Álora, Málaga-Cártama, Málaga-Córdoba.
Mit einer expandierenden Wirtschaft benötigten alle Sektoren eine solide Unterstützung, die nicht durch die Geldverleiher kommen sollte, und im Jahre 1854 wurde daher die Banco de Málaga geschaffen, die sich allerdings bald als Werkzeug des Großkapitals der Stadt und der Provinz erwies, unter deren Kontrolle sie sich jederzeit befand.
Eine ausgezeichnete Bestandsaufnahme über die Industrie, die Landwirtschaft und den Handel in Málaga, von denen hier die Rede ist, bietet die Ausstellung, die in der Provinzhauptstadt im Jahre 1812 abgehalten wurde.
Im Rhythmus des wirtschaftlichen Wandels in der isabellinischen Ära machte auch die Gesellschaft Veränderungen durch. Die Stärkung des Bürgertums, und innerhalb desselben die Bildung einer Oligarchie, die alle Schlüsselpositionen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens kontrollierte, sowie das Aufkommen eines Fabrikproletariats, waren hierfür die wichtigsten Merkmale. Das Wachstum der Bevölkerung verursachte wiederum eine Expansion des städtischen Raums und Änderungen in ihrer Struktur.
Die Anwesenheit der großen Fabrikzentren veranlasste die Entstehung einer Industrie- und Arbeiterstadt am rechten Ufer des Río Guadalmedina, abgetrennt von den bürgerlichen und gehobenen Wohnvierteln des Zentrums und des Ostens.
Málaga trug entscheidend zum Triumph des Liberalismus' in Spanien bei. Während der Jahre nach dem Tod Ferdinands VII. initiierte oder unterstützte die Stadt Aufstandsbewegungen, die dafür eintraten, eine neuen politischen Rückfall und jede Form des Despotismus' zu verhindern. Dies verhalf ihr 1843 zur Verleihung des Titels "siempre denodada" ("die immer Kühne") und des Mottos "Die erste, wenn die Freiheit in Gefahr ist".
Von 1833 bis 1843 setzt Málaga den liberalen Weg fort. Von 1844 bis 1854 folgt ein konservatives Jahrzehnt, in dem die öffentliche Ordnung und die Gewalten der Exekutive vorherrschten und wirtschaftliche Fortschritte erzielt wurden. 1854 bricht die Revolution unter der Führung der Generäle O'Donell und Dulce aus, und mit ihr kam die Wiedereinrichtung der Nationalen Miliz, die Erneuerung der Stadtregierung und die Abschaffung der Tor- und Verbrauchszölle, verhasste Steuern bei den unteren Schichten (welche den Aufstand unterstützten).
In der neuen Etappe konservativer Regierungen, die sich von 1856 bis 1868 erstreckt, muss die Erschütterung hervorgehoben werden, die durch die Revolution von Loja des Jahres 1861 ausgelöst wurde, welche sich auch auf andere Landstriche ausdehnte, wenngleich sie am Ende niedergeschlagen wurde.
DIE REVOLUTION VON 1868 UND DIE ERSTE REPUBLIKIm Jahre 1868 setzte ein Militärputsch, unterstützt von breiten Kreisen der Zivilbevölkerung, der Herrschaft von Isabella II. und dem konservativen Regime ein Ende und leitete eine kurze Etappe demokratischer Regierungen ein, die bis 1874 reicht. Große Begeisterung brach in Málaga aus, als General Prim zusammen mit weiteren rebellierenden Generälen in unserem Hafen anlegte.
Das politische Leben in Málaga während der sechs demokratischen Jahre (1868-1874) zeichnete sich durch einen radikalen und extremistischen Ton aus. Der föderale Republikanismus, der eine breite Unterstützung in den unteren Schichten besaß, ermutigte Aufstände und Erhebungen, welche große Unruhe unter den wohlhabenden Schichten hervorriefen.
Das Erscheinen der ersten Arbeiterorganisationen ist ein weiteres bedeutendes Ereignis dieser Zeit (Antequera 1854).
Mitte der sechziger Jahre begann der Wohlstand zu bröckeln, der zur Mitte des Jahrhunderts erreicht worden war. Die Eisenindustrie beginnt ihren Niedergang. Der Handel nimmt erheblich ab, die Landwirtschaft erleidet zunächst Einbußen, und später, in den achtziger Jahren, wird sie durch die verheerenden Auswirkungen der Reblaus, die den Weinbau befällt, völlig ruiniert.
In der Schlussetappe des Jahrhunderts findet ein allgemeiner Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität statt, wobei sogar eine Verringerung der Bevölkerungszahl zu beobachten ist, und zwar sowohl in Málaga als auch in der gesamten Provinz.
Die schwere Krise, welche die Provinz Málaga in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts heimsuchte, mit ihren Folgen des Verlusts an Arbeitsplätzen, des Niedergangs der Unternehmen und des allgemeinen Rückgangs der wirtschaftlichen Aktivität, brachte viele Einwohner Málagas dazu, nach anderen Einnahmequellen zu suchen, die die weggefallenen ersetzen sollten. Einige sahen im Tourismus eine Alternative, die für bedeutende Einnahmen sorgen würde; aber obwohl die Idee, dass Málaga Nutzen aus seinem privilegierten Klima ziehen könnte, in der Bevölkerung weit verbreitet war, enstanden bis zur Krise Ende des Jahrhunderts keine wirklichen Initiativen, um Málaga zu einem touristischen Standort zu machen.
Die Initiativen nahmen schließlich Gestalt an durch die Schaffung der "Sociedad Propagandística del Clima y Embellecimiento de Málaga" ("Gesellschaft zur Werbung für das Klima und die Verschönerung Málagas") im Jahre 1897.
Die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise waren in den verwundbarsten Gesellschaftsschichten erheblich zu spüren. Tagelöhner und Kleinbauern im ländlichen sowie Industriearbeiter und Handwerker im städtischen Bereich waren die Hauptgeschädigten. Viele Bewohner Málagas emigrierten auf die andere Seite des Ozeans, auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen.
Der Vormarsch der Arbeiterorganisationen und die Verschärfung der Arbeitskämpfe sind ebenfalls Indikatoren des Klimas der sozialen Spannungen, das in der Schlussetappe des Jahrhunderts vorherrschte. Die sozialistische Gruppierung Málagas entstand aus einem Arbeiterkulturverein, der 1885 von Rafael Salinas Sánchez gegründet wurde, einem Mann, der als Vater des Sozialismus' in Málaga gilt.
In Málaga schuf der soziale Katholizismus Abendschulen für Erwachsene und betrieb auch eine Schule für Kinder. Vorträge, Konzerte und Unterhaltungsveranstaltungen wurden ebenfalls für die Mitglieder angeboten.
Oligarchie und caciquismo (Cliquenwirtschaft) sind die Begriffe, mit dem man das politische Regime definiert hat, das 1875 eingerichtet wurde, und dessen wichtigster Vorreiter Antonio Cánovas del Castillo aus Málaga war.
In Málaga, wie in vielen anderen Provinzen, übten die dynastischen Parteien eine eiserne Kontrolle über das politische Leben aus, ohne dass die Oppositionsgruppen, Republikaner und Sozialisten, es schafften, diese zu durchbrechen.
Die erste Etappe der Restauration zeichnete sich durch eine allgemeine Beschneidung von Freiheiten und strenge Kontrollmaßnahmen gegenüber republikanischen und Arbeiterorganisationen aus. Die Presse unterlag einer rigorosen Zensur. Es war verboten, die Monarchie anzugreifen und andere Regierungssysteme zu verteidigen, unter Androhung empfindlicher Strafen für Zuwiderhandelnde. So wurde sie zum Vehikel, mit dessen Hilfe die politischen Ideen ausgedrückt wurden.
Ein äußeres Ereignis, der Krieg von 1898, war es schließlich, das die erste Krise des Systems auslöste. Das Ende des Jahrhunderts war durch den Verlust der letzten Reste des spanischen Kolonialreichs geprägt: Kuba, Puerto Rico und Philippinen.